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Die Nibelungenzeitung wurde 1925/26 gegründet. Sie erscheint zweimal jährlich jeweils zu Beginn eines Coleursemsters.

 

Aus der Nibelungenzeitung

Die Nibelungenzeitung bringt Convents- und Semesterberichte, Familiennachrichten, Beiträge aus dem akademischen und studentischen Leben, druckt Vorträge und Reden ab, die auf Veranstaltungen gehalten wurden. Den verstorbenen Bundesbrüdern wird ein ehrender Nachruf gewidmet.

Die Nibelungenzeitung, ein wichtiges Bindeglied der Bundesbrüder untereinander!

An dieser Stelle veröffenlichen wir in unregelmäßigen Abständen einzelne Artikel.


Aus der Nibelungenzeitung vom April 2009 - von Bbr. Matthias Bischof

Warum nicht jeder ein Experte sein kann

Ausgerechnet in Einem Essay von Aeon L. Skobel über philosophische Ansätze in einer US-amerikanischen Zeichentrickserie, treffe ich auf den Begriff des „Amerikanischen Antiintellektualismus“. Der Begriff fällt mir quasi in den Schoß und regt mich zu einer intensiven Auseinandersetzung mit ihm an, denn dieser Antiintellektualismus lässt sich nicht einfach pauschal auf den US-amerikanischen Kulturkreis beschränken.
Bei genauerer Betrachtung tritt dieser auch in unserem Land, wenn man so sagen möchte „vor der eigenen Haustür“ offen in Erscheinung. Antiintellektualismus bedeutet an sich nicht die generelle Ablehnung von allem Intellektuellen oder allgemein einer Negation der Wissenschaft.
Er präsentiert sich eher als eine augenscheinliche Toleranz oder gar Zuneigung, die im Bedarfsfall in eine Anti-Haltung umschlägt. So ist man zum Beispiel in der Wirtschaft oder auf dem politischen Parkett dazu geneigt, seinen eigenen Standpunkt durch eine „Expertenmeinung“ stützen zu lassen, läuft diese jedoch dem eigenen Nutzen zuwider, so wird sie als eine Meinung unter vielen abgetan. Man traut eben keiner Statistik, die man nicht selbst gefälscht hat. Außerdem herrscht in unserer Demokratie nach wie vor das Prinzip der Meinungsfreiheit und das lässt man sich keineswegs durch eine gegenläufige Meinung nehmen.
An den Universitäten leiden gerade die Geisteswissenschaften unter einer solchen Entwicklung. Sie werden als überflüssig, nicht mehr zeitgemäß und eigentlich nutzlos abgetan. Darüber hinaus sind sie unwirtschaftlich, ein Luxus also, den man nur studiert, wenn man es sich leisten kann, oder allerhöchstens als Vorbereitung auf eine spätere Ausbildung, bei der es hilfreich ist, wenn man bereits Ansätze wissenschaftlichen Arbeitens beherrscht. Manch einer sieht die Geisteswissenschaften auch als ein nicht ernst zu nehmendes Metier, das man wenn überhaupt als Hobby betreibt und in das sich jeder Laie schnell einlesen kann. Allerdings vergisst man dabei, dass das Thema, in das sich der Laie hineinlesen soll auch zunächst einmal aufgearbeitet und gegebenenfalls aktualisiert werden muss. Man stelle sich zum Beispiel vor, in der heutigen Zeit wäre „Die Auseinandersetzung der arischen Völker mit den übrigen Rassen“, nach wie vor ein gängiges historisches Werk und man bedenke, dass selbst Einstein noch 1932 die Meinung vertrat: „Es gibt nicht das geringste Anzeichen dafür, dass nukleare Energie jemals verfügbar sein wird.“
Die Geisteswissenschaften indes tun ihr übriges, um am eigenen Ast zu sägen. Zum kritischen Denken wird nicht nur angeregt, es wird geradezu indoktriniert. Jede These wird so lange hinterfragt, so lange kritisiert, bis am ende mehr Fragen als Antworten stehen und ungeachtet der Tatsache, dass sich diese Fragen dann gewissermaßen im Mikrobereich befinden, wird so der übergeordneten These als ganzes die Legitimation verweigert, da es noch offenen Punkte gibt, die geklärt werden müssen. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich jeder Außenstehende geradezu gezwungen sieht Sinn und Nutzen eines solchen Handelns zu hinterfragen. Darüber hinaus werden die Studenten bereits von Studienbeginn an gewissermaßen aufs „Versagen“ eingeschworen. Von Anfang an wird man nicht müde, immer und immer wieder zu betonen, wie schlecht, ja beinahe aussichtslos die Chancen stehen, später für das Gelernte ein Festanstellung zu bekommen. Man muss sich weiterbilden, sich wirtschaftlich tragbar machen, über den Tellerrand schauen, egal ob man darüber hinaus an den eigentlichen Inhalten des Studiums vorbeigeht. Grundlegend mag das ja nicht falsch sein, aber der Wunsch nach einer „Eier legenden Wollmilchsau“ schreit geradezu nach Universitätsabsolventen, die von allem nur ein bisschen, nichts aber richtig gut können und plötzlich nicht einmal mehr für den, zugegebenermaßen recht dünnen, geisteswissenschaftlichen Arbeitsmarkt von Interesse sind. Natürlich ist die Schuld für diesen Vorgang nicht einzig und alleine bei den entsprechenden Instituten zu suchen. Der Befehl zur Selbstaufgabe, wenn man sie so nennen möchte, wurde gewissermaßen, vielleicht zu überstürzten, Einführung der neuen Studiengänge von oben diktiert. Einige Institute mögen diese vielleicht mit verfrühtem Jubel, als neue Chance verstanden wissen, andere wiederum verschließen sich den neuen Studiengängen gegenüber, zögern zu lange und laufen nun erst recht Gefahr, sich selbst ins Abseits der wirtschaftlichen Unrentabilität zu manövrieren. Das Gros der betroffenen Institute dürfte jedoch, nicht ohne ein Stück Resignation, versuchen, das Beste aus der momentanen Lage zu machen.
So oder so beschreitet man offenbar im Moment eher den Weg dem Antiintellektualismus mit Rechtfertigungen und Kompromissbereitschaft zu begegnen, anstatt als gefestigte Instanz aufzutreten, die über dem ganzen eher erhaben ist. Vielleicht hofft man auch, dass man es hier nur mit einer Trendentwicklung zu tun hat, die auch wieder verschwindet und bis dahin geht man dem Konflikt lieber aus dem Weg. Man könnte das als Deeskalation schön reden.

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